Es wird in diesen Tagen viel über Digitalisierung gesprochen. Über vernetzte Kaffeemaschinen, die sich mittels ausgefeilter Sensorik selbstständig zur Wartung melden. Wir reden über Roboter als Altenpfleger, Algorithmen und Technologien, die unsere Unternehmen zukunftsfähig machen und uns allen das Leben erleichtern sollen. Das Mensch-Maschine-Miteinander liegt als Thema voll im Trend.

Dabei gerät ein anderes Miteinander schnell aus dem Blick.

Das von Mensch zu Mensch. Genau das will ich ein Stück weit ändern und eine Kollegin der All for One Steeb AG vorstellen, die sich ganz konkret und „analog“ für ein besseres Miteinander von Mensch zu Mensch einsetzt.

Beginnen möchte ich mit meiner Kollegin Andrea Anthes. Sie arbeitet als Senior Consultant bei uns. Neben ihrem Job engagiert sie sich für das soziale Projekt „Befreunden“, über das ich mit ihr gesprochen habe.

Jochen: Andrea, du engagierst dich für das Projekt „Befreunden“ von Horizonte e.V. Kannst du kurz beschreiben, worum es dabei geht und was du da machst?

Andrea: Der Fokus vom Projekt ist, dass man eine freundschaftliche Beziehung herstellt, zwischen einem Ehrenamtlichen und einer Person, die sich in einer Depression befindet. Ich selbst habe eine Freundin, die mir anfangs zugeteilt wurde und aus der sich mittlerweile wirklich eine sehr nette Beziehung entwickelt hat. Wir treffen uns persönlich, telefonieren oder schreiben uns per SMS.

"Wir haben keine festen Zeiten, sondern verabreden uns, wann es uns beiden am besten passt und machen das, wozu wir beide Lust haben."

Jochen: Klingt wie eine ganz normale Freundschaft.

Andrea: So ist es im Grunde auch. Im Schnitt treffen wir uns einmal die Woche und grundsätzlich so, wie es für beide passt. Es kommt vor, dass ich viel unterwegs bin, freitags spät abends wiederkomme und sonntags früh wieder weg muss. Dann treffen wir uns auch mal ein Wochenende nicht. Solche Phasen kann ich bei All for One Steeb aber zum Glück auch ausgleichen. Also gehen wir zum Beispiel die nächste Woche ausgiebig wandern und verbringen auch mal einen ganzen Tag gemeinsam.

Jochen: Wie kam es dazu, dass du dieses Projekt unterstützt? Gab es einen speziellen Auslöser?

Andrea: Mir war es schon lange Zeit ein Anliegen, dass das Thema Despression ein bisschen besser in der Öffentlichkeit betrachtet wird. Ich hab immer gedacht, wenn´s da mal was gibt, das passt, würde ich mich dafür gerne einbringen. Von dem Projekt habe ich durch Zufall erfahren. Über eine Bekannte die als Psychiaterin arbeitet, und das Projekt „Befreunden“ kennt. Mit ihr bin ich ins Gespräch gekommen und habe mich gezielt schlau gemacht. Dann bin aktiv auf den Verein Horizonte e.V. zugegangen und habe gesagt, ich würd da gern mitmachen. Das war vor dreieinhalb Jahren und solange bin ich jetzt auch schon dabei.

Jochen: Was ist also das Schöne für dich am Projekt „Befreunden“?

Das Schöne ist, ich kann die Sachen machen, auf die ich selbst auch Lust habe zu einer Zeit, die mir passt. Ich kann meiner Freundin ohne Zwang etwas geben, was sie braucht: Miteinander. Leute, die wegen Depression in Behandlung sind, haben oft nicht mehr das soziale Netzwerk. Es ist Teil des Krankheitsbilds. Sie schaffen es nicht, ihr soziales Netz von sich aus aufrecht zu erhalten und ziehen sich eher zurück.

"Es hilft den Leuten, wenn von außen jemand auf sie zugeht und sie dazu animiert, sich auch mal aufzuraffen und etwas mitzumachen."

Jochen: Gab es Augenblicke, in denen du darüber nachgedacht hast, dein Engagement hinzuschmeißen?

Andrea: Nun ja, so wie Menschen generell gelegentlich nerven, nervt natürlich auch so eine Freundin mal. Aber solche Momente gibt es in jeder Freundschaft und es war nie so schlimm, dass ich hinschmeißen wollte. Hätte ich das Gefühl, es passt zwischen mir und meiner Freundin nicht, würde ich auch nicht das gesamte Engagement hinterfragen, sondern einfach sagen, wir zu zweit haben keine Basis. Dann hätte ich die Frage gestellt: Gibt´s jemand anderen mit dem es besser passt? Aber die Frage stellt sich nicht, weil unsere Interessen ganz gut passen.

Jochen: Was sind das für Interessen?

Andrea: Wir haben beide einen Hund. Demzufolge gehen wir beide grundsätzlich ganz gerne spazieren und wir müssen auch spazieren gehen (lacht). Wir haben also beide die Situation, selbst wenn wir keine Lust haben, etwas zu unternehmen, der Hund muss trotzdem nach draußen. Das ist unser Anknüpfungspunkt.

Jochen: Du bist als Senior Consultant bei uns eingestellt. Das ist kein 9to5 Job. Deine Arbeit, dein soziales Engagement und das eigene Privatleben immer gut unter ein Hut zu bringen, stelle ich mich nicht gerade leicht vor.

Andrea: Ja, das stimmt. Da es hilft mir auf jeden Fall, flexibel arbeiten zu können. Außerdem muss auch nicht alles leicht sein. Zu deiner Frage hatte ich vor einiger Zeit mit einer Kollegin bereits ein ganz interessantes Gespräch. Sie hat die These aufgestellt: „Wenn´s einem selber gut geht, dann kann man auch was zurückgeben“. Das ist für mich überhaupt nicht der Punkt. Das hat so etwas Großmütiges von oben herab. Darum geht es nicht.

"Es gibt Sachen, die kann man auch einfach mal machen."

Niemand ist generell 24 Stunden so beschäftigt, dass er nicht auch mal Zeit für etwas hat, was ihm oder anderen wichtig ist.

Jochen: Lass uns nochmal kurz auf deine Arbeit zurückkommen. Was braucht man für den Job als Business Consultant und hilft dir das irgendwie beim Projekt „Befreunden“?

Andrea: Ich würde nicht sagen, dass das was ich fachlich im Job brauche, mir für mein soziales Projekt weiterhilft. Aber es gibt gewisse menschliche Eigenschaften, die nützen einem sowohl für das Eine als auch das Andere.

"Zuhören hilft an beiden Stellen. Verstehen. Fragen stellen."

Worum geht´s? Wie gehe ich damit um, wenn ich etwas nicht verstehe? Ich muss wenigstens probieren, mich auf mein Gegenüber und seine Fragen, Wünsche und Probleme einzulassen. Wenn ich nur zum Kunden gehe, um für viel Geld meine Weisheiten für von mir zu geben, verkaufe ich gar nichts. Denn was mache ich im Job? Im Prinzip verkaufe ich mich als Person. Man braucht einfach eine gewisse menschliche Basis. Das heißt nicht, dass ich mich privat unterhalten muss aber ich muss mich ein bisschen auf mein Gegenüber einlassen. Nur so funktioniert die Zusammenarbeit beim Kunden. Das Gleiche gilt für das Miteinander beim Projekt „Befreunden“.

Jochen: All for One Steeb hat in den letzten vier Jahren 37 soziale Projekte finanziell unterstützt, in denen sich unsere Kolleginnen und Kollegen selbst engagieren. Darunter in diesem Jahr das Projekt „Befreunden“ mit 2.000 €. Wisst ihr schon, was mit der Spende passiert?

Andrea: Wir möchten im Sommer gemeinsam mit den Ehrenamtlichen und unseren Freunden feiern. Viele der Betroffenen haben keine großen finanziellen Mittel für ein Fest. Anschließend wollen wir in einer regionalen Zeitung einen Artikel darüber veröffentlichen. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Leute mit Depression gibt und zeigen: sie gehören mitten in unsere Gesellschaft. Das tückische an Depression ist, man sieht den Betroffenen ihre Krankheit überhaupt nicht an. Auf einem Foto mit den Pärchen aus Ehrenamtlichen und Depressiven, die sich gebildet haben, würdest du keinen Unterschied erkennen.

"Dass die Leute genau hinschauen, darauf wollen wir hinarbeiten."

Und natürlich wollen wir mit unseren Aktionen weitere Ehrenamtliche finden, die Lust haben, sich bei uns zu engagieren. Und ich bin froh, dass hinschauen bei uns zur Unternehmenskultur gehört und dankbar, dass mein soziales Engagement nicht nur wertgeschätzt, sondern auch konkret unterstützt wird.

Mehr Informationen zum Projekt "Befreunden" findet ihr hier >

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